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Die Dividendenstrategie: Vor- und Nachteile

Die Dividendenstrategie ist wohl die beliebteste Aktienstrategie überhaupt und anfangs war ich selbst auch davon begeistert – bis ich die Nachteile für mich entdeckt habe. Hier meine Pro- und Contra-Liste zur Dividendenstrategie.

Was dich in diesem Beitrag erwartet

  • Die Dividendenstrategie verständlich erklärt
  • Vor- und Nachteile der Dividendenstrategie
  • Warum Dividendenaktien nicht automatisch die besseren Aktien sind

Was ist die Dividendenstrategie?

Anhänger der Dividendenstrategie bauen sich ein passives Einkommen auf, in dem sie in Einzelaktien investieren, die eine möglichst hohe Dividende ausschütten (sogenannte Dividenden-Aristokraten). Das Ziel ist es, dadurch regelmäßige monatliche Erträge zu bekommen, von denen man auf Dauer leben kann.

Was ist eine Dividende?

Eine Dividende ist eine Auszahlung vom Unternehmen an die Aktionäre, um sie am Gewinn zu beteiligen. Kein Unternehmen muss eine Dividende zahlen und jedes Unternehmen kann die Höhe der Dividende selbst festlegen. Außerdem kann die Dividende auch gekürzt oder ganz gestrichen werden, wenn das Geschäft mal schlecht läuft (etwa wie bei Royal Dutch Shell während der Corona-Krise).

Tabelle Dividendenvergleich

Ein Beispiel für eine Dividendenstrategie liefert Alexander hier auf seinem Blog Rente mit Dividende. Links ein Screenshot seines Blogs, das die geplante Entwicklung seiner Dividenden zeigt.

Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema Finanzen und Investieren zu beschäftigen, war die Dividendenstrategie so etwas wie der heilige Gral für mich. „Super“, dachte ich mir, „ein paar dividendenstarke Aktien kaufen und schon baue ich mir ein regelmäßiges, passives Einkommen auf, von dem ich am Ende vielleicht sogar leben kann – ganz ohne arbeiten zu müssen.“

So weit die traumhafte Vorstellung. Und die Vorteile, die ich unten nenne, liegen erstmal auf der Hand. Von Zeit zu Zeit habe ich aber gemerkt, dass die Dividendenstrategie ein paar Nachteile bietet, die die Strategie in meinen Augen besonders für junge Leute und Menschen mit geringem Einkommen unattraktiv macht.

Die Vorteile der Dividendenstrategie

Aktien-Chart auf Tablet
Bild: Burak K auf Pexels.com
  1. Die regelmäßigen Dividenden motivieren

Ein regelmäßiger Geldeingang jeden Monat wie durch Zauberhand: Das motiviert auf jeden Fall. Und auch die Vorstellung, irgendwann so viel angespart zu haben, dass jeden Monat 1000 Euro nur durch Dividenden auf dein Konto flattern, klingt lukrativ. Eine schöne Rente die man sich damit selbst zahlt, oder?

2. Relativ stabiles, passives Einkommen

Wenn regelmäßig Dividenden auf dein Konto kommen, kannst du damit besser planen, als wenn du dich nur auf die Kursgewinne verlässt. Die Dividenden sind zwar (wie oben erwähnt) in schlechten Zeiten nicht garantiert. Aber sie bauen dir einen stabileren Cashflow auf, als Kursgewinne es tun. Der regelmäßige Einkommensstrom steht bei dieser Strategie im Vordergrund. Nicht möglichst hohe Kursgewinne rauszuholen um damit sein Kapital zu maximieren.

3. Einfache Kriterien bei der Aktienauswahl

Indem man vor allem auf den relativ stabilen Einkommensstrom achtet, den solche Dividenden generieren sollen, ist die Aktienauswahl relativ leicht. Man beschränkt sich eben vor allem auf die Unternehmen, die eine hohe Dividende ausschütten. Und das möglichst schon seit einem langen Zeitraum.

Die Nachteile der Dividendenstrategie

  1. Dividendenaktien bringen nicht zwingend mehr Geld

Wer glaubt, mit Dividenden-Aristokraten automatisch die besseren Aktien zu kaufen, der unterliegt einem gefährlichen Denkfehler. Ich selbst habe auch lange gebraucht, um das zu verstehen (dieser, leider etwas komplizierte, Blog-Beitrag von Gerd Kommer hat mir sehr dabei geholfen). Deshalb versuche ich es hier mal vereinfacht in einer Grafik darzustellen. Das folgende Rechenbeispiel soll zeigen, weshalb man Erträge aus Dividenden nicht gegenüber Erträgen aus Kursgewinnen vorziehen kann:

Übersicht Dividenden vs. Kursgewinne

Wie ergibt sich der Endwert: Die Dividendenaktie ist 103€ wert und hat dir 5€ Dividende ausgezahlt. Die Nicht-Dividendenaktie hat auf eine Ausschüttung zugunsten des Kursgewinns verzichtet. Sie ist 108€ wert und hat dir 0€ ausgeschüttet.

Wie du siehst: Vom Gewinn her macht es keinen Unterschied ob das Unternehmen eine Dividende ausschüttet oder nicht. Denn die Dividende ist einfach eine Auszahlung des Gewinns an den Aktionär. Nachdem sie ausgezahlt wird, sinkt der Aktienkurs genau um die Höhe der ausgezahlten Dividenden. Statt einem Kursgewinn gibt es für dich als Aktionär also einfach direkt Cash aufs Konto – die Höhe deines Gewinns bleibt dabei aber gleich.

2. Dividenden gibst du eher aus statt sie wieder zu investieren

Besonders für Studenten und Menschen mit kleinen Anlagebeiträgen (konkret: im vier- oder selbst niedrigen fünfstelligen Bereich), ist dieser Nachteil erheblich.

Denn selbst eine ordentliche Dividende von 5 Prozent pro Jahr wirft bei einem Investment von 1000 Euro nur 50 Euro im Jahr, also umgerechnet rund 4 Euro im Monat ab. Mal ehrlich: So ein Betrag verleitet eher dazu, die Dividende für einen Döner auszugeben, statt sie zu reinvestieren. Auf lange Sicht geht dabei aber der wichtige Zinseszinseffekt verloren, der besonders für uns junge Anleger von enormer Bedeutung beim Vermögensaufbau ist.

3. Das Reinvestieren der ausgeschütteten Dividenden bringt unnötige Kosten

Selbst wenn du es geschafft hast, der Versuchung zu widerstehen und deine Dividenden in der Ansparphase nicht verkonsumierst, musst du sie eigenständig wieder anlegen. Das kostet dich erstens Zeit und zweitens unnötige Transaktionskosten. Denn wenn du von den ausgeschütteten Dividenden neue Aktien kaufst, zahlst du dafür wieder eine Ordergebühr. Und die macht sich grade bei den anfänglich kleinen Dividendenbeträgen durchaus bemerkbar.

4. Schlechtere Diversifizierung

Wer nur in Dividendenaktien investiert, der hat sein Portfolio mitunter deutlich schlechter diversifiziert (=weniger breit gestreut) und geht damit ein vermeidbares Risiko ein. Wer nur auf Unternehmen setzt, die es schon jahrelang gibt und die jahrelang regelmäßig Dividenden gezahlt haben, dem entgehen damit die Wachstumschancen junger Unternehmen oder Unternehmen, die auf eine hohe Dividende verzichten. Oder wärst du nicht gerne in Microsoft investiert, deren Aktie in den letzten 5 Jahren um über 300 Prozent an Wert zugelegt hat?

5. Du brauchst viel mehr Wissen und musst mehr Zeit opfern

Das gilt nicht nur für die Dividendenstrategie, sondern allgemein für Einzelaktien im Vergleich zu ETFs: Wer in Einzelaktien investieren will, der benötigt zum einen viel mehr Zeit, um sich vielversprechende Aktien rauszusuchen, sollte die wichtigsten Kennzahlen verstehen und zumindest grundlegend Bilanzen lesen können .

Außerdem musst du dich immer darum kümmern, dass dein Portfolio ausreichend diversifiziert ist, damit das Risiko hoher Verluste verringert wird. Ausreichend diversifiziert bedeutet, dass du etwa 20 Einzelaktien im Depot haben solltest. Diese wirst du zudem häufiger kaufen und verkaufen, was dich ebenfalls Zeit kostet (von den Transaktionskosten mal abgesehen).

Für einige Finanz-Nerds, die sich gerne damit beschäftigen, mag das sicher eine spaßige Leidenschaft sein. Der Durchschnitts-Student will aber einfach nur sein kleines Erspartes unkompliziert anlegen. Hat er sich einmal ein solides Portfolio aufgebaut, will er damit wenig bis keinen Aufwand mehr haben und trotzdem seinem Geld beim Wachsen zusehen. Du erkennst dich in letzterem wieder? Dann könnte das passive Investieren mit ETFs dir vielleicht eher zusagen.

Zusammenfassung

Bei der Dividendenstategie geht es eher darum, einen stabilen Cashflow aufzubauen. Der ist später im Alter sicher nützlich, als Student will man aber eher sein investiertes Kapital maximieren.
Trotzdem ist das Wichtigste, dass du die Strategie findest, die dir persönlich am meisten zusagt. Wenn das die Dividendenstrategie ist, dann ist das völlig in Ordnung – immer noch besser, als das Geld auf dem Girokonto versauern zu lassen.

Blogempfehlung

Wer sich für die Dividendenstrategie interessiert, sollte mal beim Blog Reich mit Plan von Alex Fischer vorbeischauen. Er hat die Dividendenstrategie mit seinem Dividenden-Alarm optimiert und hat obendrein auch noch den coolen Dividendenalarm-Podcast, der sich auch für Nicht-Dividendenjäger lohnt!

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5 Kommentare

  1. Hallo,
    ich bin seit etwa 25 Jahren in wenigen Dividendenaktien mit bekannten Produkten (Getränke, Tabak, Lebensmittel) investiert, deren Geschäftsmodell ich verstehe … und komme gut zurecht … stabile Dividenden sind eine tolle Sache …
    Schöne Grüße
    Uwe

    1. Hallo Uwe,
      das ist super! Stabile Dividenden sind, wie beschrieben, sicherlich eine tolle Sache für einen stabilen, passiven Cashflow. Wie man derzeit unter anderem am Beispiel Shell sieht, sind aber auch Dividenden in einer Krise nicht garantiert. Mich würde interessieren, wie deine Rendite in den vergangenen Jahren im Durchschnitt war und wie hoch das Risiko deines Portfolios (Stichwort: Volatilität und maximaler Drawdown)? Erfasst du solche Kennzahlen für dein Gesamtportfolio?

      Liebe Grüße
      Marvin von 5MinutenGeld

  2. Hallo Marvin,
    ich analysiere ein Unternehmen ganz genau und investiere – wie gesagt – nur in essen, trinken, Tabak und Körperpflege. Ich habe übrigens Kraft Heinz zu 60 Euro gekauft und sitze die Dividendenkürzung und Aktienkursverluste in aller Ruhe aus. Ich weiss, dass dieses Unternehmen mit seinen tollen Marken lediglich unter einem schlechten Management gelitten hat. Ich besitze lediglich 7 Aktien, aber die kenne ich ganz genau. Fühle mich als Mitbesitzer.
    Die Begriffe Volatilität und maximaler Drawdown kenne ich zwar, interessieren mich aber nicht.
    Habe von 1998 bis jetzt aus etwa 20.000 DM eine Vervielfachung erzielt (knapp zweistellige Prozentsteigerung pro Jahr). Es ist dabei entscheidend, worin man investiert.
    Und zur Diversifikation nur soviel … jeder, der sich selbständig macht, kauft nur eine Aktie (nämlich sein Unternehmen).
    Es gibt sehr viele Menschen, die nur mit einem Unternehmen (eine Aktie) sehr reich geworden sind: Zuckerberg, Bezos, Gates usw.
    Warum 800 Unternehmen per ETF im Depot?
    Generell gilt: Jeder muss seinen ganz eigenen Anlagestil entwickeln. Theorie ist gut, aber nicht immer und für jeden hilfreich.
    Schöne Grüße
    Uwe

    1. Freut mich, dass du deinen Anlagestil gefunden hast, mit dem du zufrieden bist und der für dich erfolgreich war! Jeder muss diesen Anlagestil für sich selbst finden und die Vor- und Nachteile abwägen. Zur Diversifikation: Jemand der sich selbstständig macht, der geht dementsprechend eben auch ein sehr hohes Risiko ein, wenn es schief geht. Die potentielle Rendite-Chance ist dafür natürlich umso größer, schließlich sind Rendite und Risiko untrennbar miteinander verbunden. Mehr Risiko = mehr Rendite, sonst würde ja auch niemand ein Risiko eingehen. Ich finde ETFs dennoch sehr attraktiv, um langfristig am weltweiten Wirtschaftswachstum zu partizipieren und dabei mein Risiko (zumindest das Unternehmensrisiko) so gering wie möglich zu halten. Was natürlich nicht heißt, dass ich Dividendenaktien grundlegend verabscheue, auf keinen Fall 😉 Jeder muss für sich den richtigen Mix finden. Aber was ich auf meinem Blog (vor allem auch jungen Menschen) vermitteln will, ist dass man schon mit wenig Geld und ein paar Wissensgrundlagen den Schritt an die Börse wagen kann!

      1. Hallo Marvin,
        wir bewegen uns zielgenau auf die Diskussion vom für und wieder von ETF zu.
        Ich halte wenig bis nichts von ETF „mit schon ein wenig Wissensgrundlagen“.
        Man sollte sein sauer verdientes Geld nur in etwas investieren, was man wirklich versteht. 800 Unternehmen kann niemand verstehen.
        In meinem Blog werden Einzelaktien analysiert und dargelegt und derjenige kann sich gezielt in z. B. 20 bis 30 Aktien einkaufen und hat damit seinen eigenen Fonds, den er allerdings „versteht“.
        Nicht böse gemeint .. ETF sind für (junge) Leute, die keinerlei Ahnung haben … und dann sollte man generell nicht investieren …
        Aber wie gesagt … ist meine Meinung und nicht böse gemeint.
        Schöne Grüße
        Uwe

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